Baden-Württembergische LEM am 21/22.02.2015

Am 20. Und 21. Februar fanden in Heilbronn-Sontheim im Hofwiesenzentrum die Baden-Württembergischen Landeseinzelmeisterschaften statt. Eigentlich hätte an diesem Termin,

wie bereits seit über 20 Jahren, das Sontheimer Pokalturnier ausgetragen werden sollen. Die Ausschreibungen waren bereits an die Vereine versendet, natürlich auch online im Internet veröffentlicht und sogar die ersten Anmeldungen eingegangen. Aber dann kam alles anders.

Allgemeines zum Ablauf der Meisterschaften und Austragungsort:

Wie auch in anderen Sportverbänden, gibt es im Ju-Jutsu nicht einen gemeinsamen Baden-württembergischen Landesverband, sondern einen badischen und einen württembergischen. Diese arbeiten jedoch im Bereich Wettkampfsport in der Arge Ju-Jutsu Leistungssport Baden-Württemberg intensiv zusammen. Die Landesmeisterschaften werden immer abwechselnd vom Badischen und Württembergischen Landesverband ausgetragen. 2015 ist der Ju-Jutsu Verband Württemberg (JJVW) an der Reihe. Bis relativ kurz vor der Meisterschaften hatte sich in Württemberg kein Verein gefunden, der bereit war, als Ausrichter zu fungieren. Beim JJVW entstand die Idee, statt dem bekannten und beliebten Sontheimer Pokalturnier die BaWü’s in Sontheim auszutragen und die TSG Heilbronn wurde angesprochen. Nach einigen Überlegungen hatten wir uns dann entschieden, dem Verband aus der Klemme zu helfen. Leider musste dafür das Pokalturnier in diesem Jahr ausfallen und damit die von vielen Kämpfern gerne genutzte Möglichkeit, hier an einem ersten Leistungstest im Jahr vor den Einzelmeisterschaften teilzunehmen. Schade, denn in diesem Jahr wären nicht nur Teilnehmer aus dem eigenen Bundesland angetreten. So musste einzelnen der bereits angemeldeten Vereinen z.B. 15 Startern aus Hessen, komplett abgesagt werden, da natürlich bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften nur Kämpfer aus diesem Bundesland startberechtigt sind. Es wäre höchstens möglich gewesen, außerhalb der offiziellen Wertung am Turnier teilzunehmen.

Das Turnier

Bereits am Freitag fanden sich zahlreiche Helfer an der Ludwig-Pfau-Schule ein, um dort die Matten für eine der beiden Wettkampfflächen auf den LKW aufzuladen. Nach einem weiteren Stopp beim TSG Kindergarten und der Aufnahme der 2. Kampffläche, konnten diese erst am Austragungsort in der großen Halle des Hofwiesenzentrums ausgeladen und aufgebaut werden. Tische und Stühle wurden aufgestellt für die Kampfgerichte und natürlich auch für die am nächsten Tage erwarteten Gäste. Letzte Reste des Faschings mussten beseitigt werden, damit sich unsere Gäste wohl fühlen.

Am ersten von zwei Wettkampftagen um Punkt 7 Uhr standen die Kampfrichter in der Halle, um die EDV für die Wertung der Wettkämpfe und die Waagen für das ab 8 Uhr beginnenden Wiegen aufzubauen. Kurz nach 10 Uhr, mit einer ca. ¾ stündigen Verspätung aufgrund von technischen Problemen mit einem Drucker, konnten die Wettkämpfe beginnen. Am Samstag starteten ausschließlich Kinder und Jugendliche, der Großteil davon in der Disziplin „Fighting“. Daneben gab es ein kleines Startfeld im Bereich „Duo-Wettkampf“, bei dem jeweils zwei Paare abwechselnd Techniken demonstrieren, welche dann vom Kampfgericht mit Punkten bewertet werden. Beim Fighting treffen zwei Kämpfer aufeinander. Es gibt 3 Teilbereiche: Schlag und Tritttechniken mit Händen und Füßen, Wurftechniken und am Boden Halte- und Würgetechniken. Ein Kampf besteht immer aus allen Bereichen und kann nur dann vorzeitig beendet werden, wenn man in jedem der 3 Teilbereiche eine große Wertung (Ippon) für eine nahezu perfekte Technik erhalten hat. In dem Fall wird dann die Vielseitigkeit des Kämpfers honoriert und es spielt keine Rolle ob der Gegner eigentlich bis dahin mehr Punkte gesammelt hätte. Da nur sehr dünne Schützer an Händen und Füßen getragen werden, wird im Leichtkontakt gekämpft. Sobald einer der Kämpfer den anderen gegriffen hat, ist weiteres Schlagen untersagt und die Begegnung wird im Part 2 (Wurf) und anschließend Part 3 (Boden) weitergeführt.

Am Samstag hatten wir keine Kämpfer der TSG Heilbronn am Start, da wir Ju-Jutsu im Verein erst ab 16 Jahren anbieten können. Am Sonntag war es dann aber auch für die 3 Kämpfer der TSG an der Zeit, sich auf die Waage zu stellen, um dann zu sehen ob es für die angestrebte Gewichtsklasse gereicht hat oder evtl. noch ein paar Gramm runter geschwitzt werden müssen. Robert Slomian und Alexander Wiederhold starteten diesmal beide in der gleichen Gewichtsklasse -94 kg. Robert hatte sich entschlossen, nach einer längeren Wettkampfpause ganz entspannt eine Gewichtsklasse höher zu starten. Er war dann auch der erste der sich auf der Matte seinem Gegner stellen musste, fand sich jedoch auch in der ungewohnten höheren Gewichtsklasse hervorragend zurecht. Es gelang ihm, sämtliche Kämpfe vorzeitig mit technischer Überlegenheit zu gewinnen. Lohn war ein hochverdienter 1. Platz für ihn. Dabei gelang ihm das Kunststück, drei der zehn schnellsten Kämpfe bei den Erwachsenen aller Klassen zu liefern (3.Platz 30sec, 6u. 7. Platz 38 u. 57 sec). Auch Alexander zeigte sich gut in Form und konnte lediglich im Aufeinandertreffen mit Robert die Matte nicht als Sieger verlassen. Alle anderen Gegner besiegte er entweder vorzeitig (zweimal) oder mit einem großen Punktabstand von 15:2 Punkten. Am Ende erkämpfte er sich damit hinter Robert den 2. Platz in dieser Gewichtsklasse. Louis Coward, der dritte der drei TSG Musketiere, durfte zweimal ran. Eigentlich noch in der Altersklasse U21 gemeldet, musste er aufgrund von Zusammenlegung der Altersklassen auch gegen Erwachsene antreten. So traf er gleich im ersten Kampf auf einen alten Hasen mit langjähriger Kampferfahrung. Er hatte durchaus einige Chancen zu punkten, musste den Kampf am Ende aber doch gegen den späteren Sieger der Gewichtsklasse -69 kg abgeben. In die zweite Begegnung kam er dann viel besser rein und punktete fleißig. Am Ende gewann er diesen Kampf mit der höchsten Punktzahl im gesamten Turnier und 22:0 Punkten. Louis belegte damit den zweiten Platz in seiner Gewichtsklasse. Alle drei können sich jetzt schon den nächsten Termin im Kalender rot anstreichen. Mit Ihren Platzierungen haben Sie sich alle für die Süddeutschen Meisterschaften qualifiziert, die am 9.05. in Schwäbisch Hall stattfinden.

Mit insgesamt knapp über 130 Teilnehmern aus 16 Vereinen waren die Meisterschaften gut besucht. Vor allem am Samstag war die Halle gut gefüllt, da hier nicht nur die Kämpfer und Trainer, sondern bei den Kindern oft auch die Eltern oder sogar Großeltern mit anreisten.

Die Ju-Jutsu Vereine aus Rastatt und Mühlbachtal belegten in der Gesamtwertung die Plätze 1 und 2 im Medaillenspiegel mit jeweils 6 Landesmeistern. Die TSG Heilbronn landete hier aufgrund der geringen Zahl von nur drei Teilnehmern zwar nicht im vorderen Bereich, allerdings war die prozentuale Erfolgsquote mit sämtlichen Startern auf dem Treppchen extrem hoch.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden dann auch noch Ehrungen für besondere Verdienste vorgenommen und mit Thomas Emmering und Marc Hoffmann zwei langjährige Erfolgstrainer des Ju-Jutsu-Clubs Mühlbachtal mit der Goldenen Ehrennadel des Ju-Jutsu-Verbands Württemberg ausgezeichnet.

Im Gegensatz zu unserem Pokalturnier wurden die Wettkämpfe dieser Landesmeisterschaften nicht an einem sondern an zwei Tagen ausgetragen und wir benötigen eine größere Anzahl an Helfern. Hier konnten wir nicht nur Vereinsmitglieder und deren Angehörige sondern auch ehemalige Mitglieder aktivieren die immer noch der Abteilung eng verbunden sind. Allen, die geholfen oder auch Kuchen gespendet haben, danken wir sehr herzlich für ihre Unterstützung. Sie alle haben zum guten Ablauf der Landesmeisterschaften beigetragen, was auch ausdrücklich von den verantwortlichen Ausrichtern gelobt wurde.

 Elke Patschan/Ralf Großhans
Bilder Copyright Ralf Großhans

Demnächst gibt es hier noch eine größere Auswahl an Bildern vom Turnier.
Nochmal vorbei schauen lohnt sich.